1.
HARPFING/NIEDERBAYERN
–
AUSSEN
-
TAG
Morgendämmerung, eine weite Landschaft. Dunst schwebt über
Weiden und Getreidefeldern, Tauperlen glitzern an den Gräsern.
Einsamkeit, gespannte Stille, Schönheit.
Kein Haus ist zu sehen bis auf ein Hofgefüge in der Ferne. Es
wirkt fast verloren in dieser Weite und beherrscht doch die Szene.
Näher betrachtet, sind es vier Bauernhäuser, in rechten
Winkeln angeordnet wie eine kleine Festung...
 
...Fahrt über einen Feldweg, der in die Hofeinfahrt mündet.
Es ist der Hof in Harpfing, auf dem Otto Steidle bis zuletzt lebte und
arbeitete.
SPRECHER 1: Der
Bauernhof war immer die schönste Produktionsstätte für
ihn.
Er war ein
Baumeister, der in die Architektur nur hineingeriet. So
sprach er über sich selbst, Otto Steidle, einer der
erfolgreichsten Architekten Deutschlands. Seine Eltern waren Landwirte,
die ihren Hof selbst ausbauten. Das Bauen vermittelten sie ihm als
Handwerk.
- Einblendung: Frontalansicht eines Bauernhauses. Es ist ein
urtümliches Haus, doch der Architekt hat hier feine Spuren
hinterlassen. Die fast grafische Anordnung der hellen und dunklen
Holzverkleidung erinnert an städtische Fassaden
Abblende.
TITEL
2. MÜNCHEN, LEOPOLDSTRASSE – AUSSEN - TAG
Aufblende.
Der Tag hat begonnen. Fahrt durch die Leopoldstraße in Richtung
Siegestor, das sich schon bald in der Flucht abzeichnet. Berufsverkehr,
hupende Autos, hektisches Gewühle...
SPRECHER 2 (zitiert
Steidle): Ich schätze die Lebendigkeit, die
Dichte und den
Impuls der Stadt
und liebe
die Beständigkeit und Schönheit des Landes.
Ich freue mich
über die Annehmlichkeit
des Holzes und genauso über die Festigkeit des Steins, an der
Überraschung und Kraft der Farbe und an der Lebendigkeit des
Lichts.
- Einblendung: Entsprechende Detailansichten von Steidles Bauten.
Farbe, Lichteinfall, Strukturen:
  
SPRECHER 2
(fährt fort): Es gibt in
meiner Arbeit kein übergeordnetes
Prinzip,
und dennoch ist
alles davon bestimmt. Es gibt kein Ideal
und
dennoch richtet sich alles danach. Es gibt keinen Fortschritt und
dennoch bleibt nichts wie es war und wie es ist. Es gibt keine
allgemeine Verantwortlichkeit, und dennoch darf nichts dagegen handeln.
Ich hoffe, den inneren Antrieb mit äußerer Kraft zu
erfüllen.
(…)
4. MÜNCHEN, THERESIENHÖHE – AUSSEN - TAG
Später Vormittag, die Münchener verlassen ihre Wohnungen,
spazieren mit dem Kinderwagen durch die Straßen, besuchen
Geschäfte, verschwinden in ihren Büros. Sie spiegeln sich in
den Fensterscheiben der Häuser wieder, während sie daran
vorbeigehen...
SPRECHER 2 (zitiert Steidle): Nicht das Haus
bestimmt die Stadt, sondern die Stadt
bestimmt das
Haus.
... Leben und Arbeiten in einem Münchener Neubauviertel...
SPRECHER 2 (zitiert Steidle): Mit der
Vorstellung, die Stadt immer wieder neu
erfinden zu
wollen, sind meiner Meinung nach in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
große, große Probleme geschaffen worden, nicht nur in
München. Man wollte die Stadt wirklich ständig neu erfinden,
anstatt sie weiterzuschreiben, fortzuschreiben, sie wiederzuentdecken,
sie neu zu entwickeln.
...Groß auf ein Straßenschild der Theresienhöhe „Am
Messepark“, dann weitere Impressionen des neuen Stadtviertels,
unverkennbar zeigen sie die Verbundenheit von Wohnen und Arbeiten...
SPRECHER 1: Alte
städtische Strukturen begreift Steidle als offenes System, das
neue Entwicklungen
aufnehmen kann. Auch bei der
Theresienhöhe in München, wo Steidle auf einem ehemaligen
Messegelände zur Entwicklung eines ganzen Viertels beiträgt.
Ohne die Stadt neu zu erfinden, das ist ihm wichtig. Er lässt die
Grundstruktur des Geländes in neuer Bebauung wieder aufleben.
...Im Bild jetzt die historischen Spuren der Theresienhöhe, die
alten Messehallen, eine Bahntrasse...
SPRECHER 1:
Die Theresienhöhe behält auch historische Spuren wie eine
alte
Bahntrasse, an der
ein Boulevard zur
öffentlichen Nutzung geschaffen wird. In den restaurierten
Messehallen findet eine Verkehrsausstellung des Deutschen Museums ihr
Zuhause. Und dort, wo zuvor der alte Messeturm stand, errichtet Steidle
ein eindrucksvolles Monument städtischen Lebens.
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